Das Meppener Kandidaten-Karussell


Meppen

Meppen. Vielseitig sollen die Spieler des SV Meppen sein. Das ist die konkrete Anforderung von Trainer Johann Lünemann an seine Regionalliga-Fußballer. Viele erfüllen dieses Profil. Das hat die Hinrunde mit verschiedenen taktischen Systemen gezeigt. Die Möglichkeiten sind durch die Neuzugänge in der Winterpause größer geworden. Auf dem Kandidaten-Karussell ist der Kampf um die Plätze entbrannt. Wie stehen die Chancen der 26 Spieler im SVM-Kader?

Grob vereinfacht und standardisiert, hat der SVM mit zwei Ausrichtungen gespielt, nämlich in der Grundformation 4-4-2 oder 4-5-1. Dabei sind verschiedene Ausprägungen möglich. Das 4-4-2 etwa mit den Mittelfeldakteuren fast auf einer Linie („flache Vier“) oder als Raute. Das 4-5-1 bietet auch die vom SVM bereits erprobten Varianten 4-1-4-1 oder 4-2-3-1.

Der Trainer mag das System mit Raute im Mittelfeld. Das hat die Mannschaft im Aufstiegsjahr häufig praktiziert. Dafür sind sehr lauf- und zweikampfstarke Mittelfeldkräfte erforderlich. In der Regionalliga agierten die Emsländer allerdings zumeist mit einem Angreifer (4-2-3-1) oder mit der „flachen Vier“ (4-4-2), wobei die äußeren Mittelfeldspieler vorgezogen sind.

Tor: Die Torwartfrage ist eindeutig geklärt. Benni Gommert ist die unumstrittene Nummer eins vor Florian Hillebrand, der allerdings schon mehrfach nicht zur Verfügung stand. Dann folgt Max Beckmann.

Abwehr: Die Viererkette ist Standard. Für die Positionen gibt es genau doppelt so viele Kandidaten. Dazu ist noch Tim Natusch in der Hinterhand. Ansonsten sind die Entscheidungen ganz eng. Zurzeit dürften Daniel Olthoff, Patrick Schnettberg, Chris Meier und Rainer Müller die Nase knapp vorn haben. Aber ihnen sitzen Sebastian Schepers, die am Comeback arbeitenden Christoph Klippel und Hüseyin Dogan sowie Stefan Raming-Freesen im Nacken. Raming-Freesen, der mit drei Saisontoren zweitbester Schütze ist, hat noch Sturmambitionen. Aber bei offensiverer Grundausrichtung mit Raute könnte er auch auf der rechten Seite der Viererkette den Vorzug bekommen.

Mittelfeld: Hier verfügt Meppen über viele Möglichkeiten. Ein „Sechser“ oder zwei? Johan Wigger ist auf seiner Stammposition dabei. Den Part hat auch Dogan schon gespielt. Als zweiter „Sechser“ ist zuletzt Jan Meyer in den Blickpunkt gerückt: Übersicht und gutes Passspiel zeichnen ihn aus. Sollte aber nur ein defensiver zentraler Mittelfeldspieler auf dem Platz stehen, müsste Meyer wohl weichen – vielleicht auf die rechte Seite? Alternativen sind Sven Hartwig und Talent Hedon Selishta.

Auf den Außenbahnen tummeln sich reichlich Kandidaten. An Michael Holt dürfte auf der linken Seite nur schwer jemand vorbeikommen. Der 26-Jährige, der in der Hinrunde vielfach in der Spitze stand und die interne Torjägerliste mit acht Treffern anführt, war auch bei seiner Station in Kiel aus der zweiten Reihe brandgefährlich. Jens Robben, René Wessels, Sebastian Schepers, Daniel Olthoff und womöglich Marcel Hoppe sind an-dere Möglichkeiten.

Auf der rechten Seite ist die Entscheidung spannender. Neuzugang Timo Scherping oder der fußballerisch starke, aber manchmal eigenwillige Jens Robben kommen infrage. Der schnelle Bertino Nacar, Stefan Raming-Freesen und Jens Helming sind Alternativen.

Um die zentrale Rolle im offensiven Mittelfeld rangeln Sven Hartwig und Michael Holt. Holt, der sich hinter den Spitzen am wohlsten fühlt, muss vermutlich auf die linke Seite weichen. Seine Schnelligkeit macht ihn auch dafür interessant. „Ich spiele da, wo der Trainer mich hinstellt“, will er die Entscheidung professionell nehmen. Hartwig zeigte seine Stärken insbesondere in der zentralen Rolle. Nach langer Verletzungspause mischt auch Eray Bayraktar wieder mit.

Sturm: Nicht erst seit der Verpflichtung von Andreas Gerdes-Wurpts und Timo Scherping hat Meppen die Möglichkeit, zwei Angreifer aufzubieten. Zwei Stürmer standen schon vor der Winterpause auf dem Platz – zumeist Michael Holt mit Stefan Raming-Freesen, Sven Hartwig oder René Wessels.

Ein oder zwei Angreifer lautet die Grundfrage. In jedem Fall führt kein Weg an Gerdes-Wurpts vorbei. Für den 31-Jährigen sprechen Torriecher, Erfahrung und Kopfballstärke. Schon in den Tests wirkten die Meppener bei Standardsituationen gefährlicher. Offensiv wie defensiv. Denn so viele „Kopfballspieler“ hat der SVM nicht in seinen Reihen. Der Stoßstürmer muss von den Außenbahnen natürlich mit Flanken „gefüttert“ werden.

Als zweiter Angreifer sollte Scherping die besten Karten haben. Er harmonierte gut mit Gerdes-Wurpts, hat aber auch noch andere Möglichkeiten. Raming-Freesen, Holt, Wessels, Hartwig, aber auch der junge Eric Bruns stehen ebenfalls für den Angriff zur Verfügung.

Auffällig: Das Stammpersonal ändert sich kaum. Zehn Spieler sind zweimal top gesetzt. Nur auf der rechten Abwehrseite wird gewechselt. Einmal ist Rainer Müller hier die Nummer eins, das andere Mal jedoch Stefan Raming-Freesen. Allerdings spüren alle Spieler den Atem der Konkurrenz im Nacken.

Lünemann hat die Qual der Wahl. Aber so mögen es die Trainer bekanntlich besonders gern. Zum Heimspiel am Sonntag um 14 Uhr gegen Holstein Kiel sind die Möglichkeiten jedoch noch eingeschränkt: Mit den verletzten Klippel und Dogan sowie den gesperrten Schepers und Hartwig fehlt gleich ein Quartett.

(Uli Mentrup)
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